Reitmeister - die Herren des Eisens

Stolberg-Vicht

Die Webcam steht oberhalb der Leuwstrasse in Stolberg-Vicht und blickt in südlicher Richtung über die Eifelhöhen.
Die auf dieser Seite zusammengestellten Informationen über Vicht und seine Geschichte sind dem "Stolberg ABC" von Friedrich Holtz entnommen.

Der wirtschaftliche Ursprung des Ortes Vicht

Die Entwicklung des Ortes Vicht wurde entscheidend durch die Reitmeister und deren Eisenhüttengewerbe geprägt. Grundlage dieses Eisenhüttengewerbes waren der lokal vorkommende Vichttaler Eisenstein, die Wasserkraft der Vicht zum Antrieb von Hammerwerken, Blasebälgen und Pochwerken sowie die waldreiche Umgebung aus der das erforderliche Kohlholz beschafft werden konnte.

Ursprünglich entwickelte sich die alte Ortslage (heutiges Unterdorf) um die Vichter Hütte. Parallel hierzu entstanden anfangs noch eigenständige Siedlungsweiler um das Stollenwerk (heutiges Oberdorf) sowie um das Henneswerk. Aus diesen Siedlungskernen bildete sich die heute geschlossene, langgezogene Ortslage im Tal des Vichtbaches.

Vichter Hütte

Die Vichter Hütte war ein Reitwerk mit zugehörigem Hammerwerk (Konradshammer), das sich nördlich der heutigen Leuwstrasse hinter dem Nepomuk-Bildstock befand.

Die Vichter Hütte dürfte bereits um 1500 in Betrieb gewesen sein; für das Jahr 1529 sind Lieferungen von Eisen urkundlich erwähnt.

1644 erwarb Jeremias Hoesch II vom Junkershammer drei Tage Reitwerk an der Vichter Hütte und 1648 weitere sechs Tage. Der Hauptgrund für diese Erwerbungen lag in der damit verbundenen Berechtigung auf Kohlholz, die Hoesch auf den Junkershammer zu übertragen gedachte, wo er seine Eisenproduktion konzentriert hatte.

1648 erwarb auch Bernard Momma insgesamt 12 Tage Reitwerk an der Vichter Hütte. Wegen der von Hoesch geplanten Nutzungsverlagerung kam es zwischen diesem u. Momma zu Auseinandersetzungen. 1651 veräußerte Momma seine Anteile an Hoesch, der nunmehr die angestrebte Produktionsverlagerung bewerkstelligen konnte.

1655 hatten die Gebrüder Peter u. Adam Sieß die Genehmigung erhalten, auf dem alten Konradshammer einen Drahtzug einzurichten. Obschon die Verhüttung ruhte, erhoben die neuen Besitzer u. deren Nachfolger Anspruch auf die alte Holzkohle-Berechtigung, was zu längeren Streitigkeiten mit der Familie Hoesch führte. Gegen Ende des 17. Jh. kam die die alten Rechte wieder in den Besitz von Jeremias Hoesch III. Zu Anfang des 18. Jh. wurde die Vichter Hütte als Kupfermühle genutzt.

Das Ende der Eisenhütten

Das Eisenhüttengewerbe erlangte im Stbg. Raum durchaus überregionale Bedeutung, bis zu Anfang des 18. Jh. die Holzkohle knapp und teuer wurde.

Die stark eingeschränkte Verfügbarkeit der Holzkohle behinderte nicht nur im Stolberger Tal die Entwicklung des Eisenhüttengewerbes. Im Vichttal kam erschwerend hinzu, dass die Reitmeister direkt mit den Kupfermeistern um die Holzkohle konkurrierten, wobei letztere sich in einer wesentlich stärkeren wirtschaftlichen Position befanden und die steigenden Holzkohlepreise eher toleriern konnten. Dies führte dazu, dass bestehende Eisenwerke oft zusammen mit den dazugehörenden Wasser- oder auch Kohlrechten in zunehmendem Maße umgewidmet und vom Messing-Gewerbe übernommen wurden. Hierdurch wurde das Eisenhüttengewerbe teilweise verdrängt und die Reitmeisterfamilien (insbesondere deren Söhne) verlagerten ihre Betätigungsfelder (teilweise durch Einheirat) in die Eisenerzgebiete der Eifel (Kalltal, Schleidener Tal).

Restbestände des Eisenhüttengewerbes konnten sich im Vichttal noch bis zum 19. Jahrhundert halten, die meisten der existierenden Hammerwerke jedoch wurden von den Kupfermeistern für die Verarbeitung von Messing übernommen.